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Wie Sonnenschutz Ihr Leben retten kann

Zahlen zeigen jährlich über 175.000 Todesfälle in Europa. Dabei geht es nicht um die Grippe, Verkehrsunfälle oder sonstige „zwangsläufige“ Ursachen, sondern um die Hitze als tödlicher Faktor. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat diese Zahl ermittelt und das wirft folgende Frage auf: Wie wappnet man sich selbst - und gefährdete Gruppen - gegen die Hitze? Anfang des Jahres bezeichnete schon eine Expertenrunde den Sonnenschutz als eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen.

Zonwering

Auch hierzulande werden hitzebedingte Todesfälle erfasst. Untersuchungen von VITO (Flämisches Institut für technologische Forschung) und der Universität Hasselt zeigen, dass die heißen Sommer zwischen 2000 und 2019 in Belgien jährlich zu 461 Todesfällen in den gefährdeten Bevölkerungsgruppen wie Babys.geführt haben. Und die Zahl steigt weiter an.

Ausgewählte interessante Erkenntnisse der Experten zu tödlicher Hitze:

  • Auch bei weniger gefährdeten Menschen verursacht die Wärme Probleme wie verringerte Aufmerksamkeit und Produktivität, schlechteren Schlaf und sogar Darmbeschwerden. (Thermophysiologe Hein Daanen)
  • Lange Hitzeperioden belasten unseren Körper zusätzlich durch den ständigen Hitzestress. (Klimatologe Samuel Helsen)
  • Überhitzung ist kein reines Sommerproblem mehr, sondern spielt auch im Herbst und Frühling eine Rolle. (Dr. Ir. Hilde Breesch)

Wann wird Hitze tödlich?

Wo liegt der kritische Grenzwert und welche Faktoren tragen zum Tod durch Hitzestress bei? Diese Frage haben wir dem Thermophysiologen Hein Daanen gestellt, der genau weiß, wie der Körper auf Temperaturveränderungen reagiert. „Durch die Verengung oder andererseits Erweiterung der Blutgefäße regelt unser Körper seine Kerntemperatur, die idealerweise bei 37 °C liegt“, sagt Daanen. „Wenn diese zu stark sinkt oder steigt, bekommen wir Probleme. Bei Hitze passiert das beispielsweise, wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist, um ausreichend zu schwitzen und den Körper dadurch abzukühlen. Dann kann es in extremen Fällen zu einem Hitzschlag kommen, der in seltenen Fällen zum Tod führt.“ 

Wie behalten Sie einen kühlen Kopf - und Körper?

Die gute Neuigkeit vorweg: Der Körper nicht gefährdeter Menschen passt sich relativ gut an die Hitze an. Ein Hitzetod ist in dieser Gruppe also höchst unwahrscheinlich. Es kann allerdings zu Beschwerden kommen. Klimaanlage als Rettung? Besser nicht! Große Temperaturschwankungen sind nicht gesund und der Energieverbrauch und die Kühlmittel von Klimaanlagen tragen zum Klimawandel bei.

Vorbeugen ist also besser als Heilen. Wie Sie das umsetzen können, hängt von Ihrer Situation ab. Bei einem Neubau ist die intelligente Gebäudeplanung der Ausgangspunkt für nachhaltigen Wohnkomfort, auch in warmen Perioden. Dr. Ir. Arch. Joost Declercq informiert über die Faustregeln:

  • Zunächst sollte ein Gebäude richtig ausgerichtet sein, während die Fenster entsprechend ihrer Sonneneinstrahlung sinnvoll über die Fassaden verteilt werden.
  • Dort wo erforderlich, sollten Sie für ausreichend Schatten sorgen. Mit auskragendem Sonnenschutz, Schiebeläden oder Screens.
  • Sie sollten auch ausreichend thermische Masse einplanen, die die Hitze tagsüber speichert und nachts wieder freigibt.
  • Denken Sie über Nachtkühlung nach. Sie vertreibt die Wärme aus der thermischen Masse in Ihrem Haus und macht wieder Speicherkapazität frei.

Screens - eine sinnvolle und zukunftssichere Investition

Nach dem Bau können Sie Ihr Haus nicht einfach neu ausrichten. Auch die Erweiterung der thermischen Masse ist nicht so einfach. Die Entscheidung für Sonnenschutz und Nachtlüftung ist aber glücklicherweise noch möglich, und das ohne große Eingriffe und sogar ohne Stemm- und Schlitzarbeiten an der Fassade. Die Lösung sind solarbetriebene Screens. Weil Sonnenstrahlen abgehalten werden, noch bevor sie das Glas erreichen, wirkt ein Außensonnenschutz einfach sehr effizient bei der Begrenzung der Erwärmung von Innenräumen.

Sobald es abends draußen kühler wird als drinnen, können Sie Ihr Haus außerdem mit kälterer Luft „durchfluten“ lassen. „Die Grundregel lautet: Tagsüber alles geschlossen“, betont Hilde Breesch. „Durch ein geöffnetes Fenster oder eine geöffnete Tür im Erdgeschoss und im Obergeschoss kann kühlere Nachtluft durch das Gebäude zirkulieren und die thermische Masse abkühlen, sodass diese am nächsten Tag wieder Wärme speichern kann. Frischer Sauerstoff und einige Grad weniger auf dem Thermometer, und das ohne große Mühe.“

Durch den intelligenten Einsatz von Screens und der kühleren Nachtluft vermeiden Sie so Probleme mit Überhitzung - und helfen möglicherweise dabei, Leben zu retten.

Expertenrunde zu Überhitzung

VEROZO, der belgische Berufsverband für Sonnenschutz und Rollläden, brachte im März 2025 Experten aus diversen Disziplinen an einen Tisch, um sich mit der Überhitzungsproblematik zu beschäftigen. Diese unabhängige Expertenrunde lieferte spannende Erkenntnisse zu den Ursachen, den Folgen und den möglichen Lösungen für Überhitzung. Alle Infos, Tipps und Tricks finden Sie in diesem umfangreichen Bericht vom 15. Mai 2025.

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In diesem Artikel kommen folgende Experten zu Wort:

Joost Declercq
Joost Declercq

Joost Declercq ist Bauingenieur und Architekt (KU Leuven) und Forschungsleiter bei archipelago architects, dessen Schwerpunkt auf der Schaffung nachhaltiger Architektur zum Wohnen und Arbeiten liegt. Forschung und Innovation sind dabei wirkungsvolle Hebel.

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Hein Daanen
Hein Daanen

Thermophysiologe H.A.M. (Hein) Daanen untersucht den Wärmehaushalt des menschlichen Körpers und erforscht unter anderem, wie der Körper auf Hitze reagiert. Er ist an der Freien Universität von Amsterdam tätig.


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Samuel Helsen
Samuel Helsen

Samuel Helsen ist Klimawissenschaftler, Geograf und Wetterexperte. Er ist als Klimatologe an der KU Leuven und bei Meteosupport tätig, das diverse Branchen beim Umgang mit dem sich wandelnden Klima unterstützt.

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Hilde Breesch
Hilde Breesch

Prof. Dr. Ir. der Bauphysik und für nachhaltiges Bauen Hilde Breesch arbeitet an der KU Leuven und widmet sich in ihrer Forschung der Interaktion zwischen Gebäuden und neuen Technologien, unter anderem in Bezug auf das Innenraumklima. 


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